Wer stand am Fenster hinter Gardinen als Familie Bär abgeholt wurde? Wer übernahm die Wohnung der Löbs, wer das Geschäft, wer ihre Möbel, wer ihre Topfpflanzen, die Papageien und das Fahrrad von Baruch Strauß? Wer liegt im Bettzeug von Frau Weiß, wer isst von Frau Pfeffers Teller? Keiner hat gefragt, keiner geweint im Haus in der Diezstraße in Gießen!
Ist es nicht seltsam, dass diese Gedanken jetzt hochkommen? Klar, wer gegen Einschränkungen der Grundrechte wettert ist ein gefährlicher Querdenker und Corona-Leugner! Aber verdammt noch mal, ich habe seit einem Jahr genau diesen braunen Geruch in der Nase. Er kommt diesmal gar nicht aus der rechten Ecke. Entschuldigung, wir haben euch gerade mal entmündigen müssen, in aller Rechtsstaatlichkeit natürlich…
Es ist eigentlich kein Kommentar, aber das kam mir beim Lesen in den Sinn.
Lieber Karlheinz, ich finde deinen Text zeitlos in der Aussage, obwohl sich dem älteren Leser sofort ein geschichtlicher Kontext eröffnet und zusätzliche Bilder den Kopf fluten. Das kalte Miterleben von menschengemachten Katastrophen, in der Gesellschaft, der Nachbarschaft, scheinbar ohne innere Regung der Beobachtenden umso beängstigender. Ein starker Text. Liebe Grüße der Sanderling
ich möchte doch als kommentar anfügen, dass du allein mit den Worten "Wer" und "keiner" eine sehr gute Struktur und Dymanik in dem Gedicht erzeugst (und mit einigen anderen Dingen). Wirklich gut gemacht.
ich danke euch für die positiven Rückmeldungen! Kein Wunder, dass solche, längst fälligen Überlegungen zum Thema Aussonderung von vermeintlich anderen in krisenhaften Zeiten wie diesen besonders hochkommen. Und ja, ich habe ebenfalls braunen Geruch in der Nase und zwar aus allen Ecken...
Anlass für den keinesfalls rein fiktiven Text, der zwischen Lyrik und Prosa angesiedelt ist, waren Erinnerungen an Erzählungen meiner Mutter über das plötzliche Verschwinden ihrer jüdischen Nachbarschaft, die ich damals sehr kritisch kommentierte. Kinder, bzw. Personen, mit denen sie täglich Kontakt hatte, verschwanden von heute auf morgen. Für mich war und ist es noch immer unvorstellbar, dass man da schweigend drüberweggehen kann, dass es keinen Aufschrei gegeben hat. Offensichtlich wurden die Nachbarn in das Verbrechen eingebunden, indem sie sich stillschweigend bereichern durften...
Nochmal herzlichen Dank und liebe Grüße aus Lüli Karlheinz
Hi Carlino, die wahrheit ist, dass alle bescheid wussten, aber die allermeisten weggesehen haben. man unterschätzt dabei den sehr weit verbreiteten, unterschwelligen, antisemitismus, den wir auch heute noch haben - uns der reflexe aber selten bewusst sind. inzwischen darf er unter der rubrik "das wird man ja wohl noch sagen dürfen" wieder ans licht. das ergebnis kann betrachtet werden: steigende antisemitische strafdaten, durchaus nicht nur von migranten und deren hier geborenen kindern, nein, von allen. dein ausruf ist daher wohl platziert. lg W.
Wie viele dieser umgestellten Fragen gibt es in unserer Welt? Wie viele Kinder wachsen mit Geheimnissen auf, wie viele suchen nach ihren Wurzeln, wie viele spüren diese ungeklärten Fragen im wahrsten Sinne des Wortes am eigenen Leib.
Als Überschrift kam mir „ Stolpersteine“ noch in den Sinn.
Danke für diese posthume Ehrung der Verschollenen…
ich tue auch mal bisschen Gedanken dalassen Seit Corona bin ich ja outsite. Nicht lange und ich gehe ins Ghetto, damit man mich mal als Wundertier im Käfig bestaunt! Das, was da auf unserer schönen Erde gerade abläuft, sehe ich schon seit langem kommen. Nein nicht in DE, sondern global, der nächste Weltkrieg steht bevor, oder auch Bürgerkriege, begonnen hat es bereits. Nein ich bin kein Impfgegner in dem Sinne, ich habe lediglich eine Spritzenphobie, da kann mich auch niemand überreden, an mir was machen zu lassen, was mir nicht guttut. Ich lasse mir von keiner Regierung, oder sonst jemandem vorschreiben, was ich zu tun und zu lassen habe! Ich kenne meinen Körper nicht seit fast 70 Jahren mit Höhen und Tiefen, um mir von paar Nasen sagen lassen zu müssen, tue es aus Solidaritätsgründen, zumindest Deinen Mitmenschen gegenüber. Diese Zeiten sind bei mir längst vorbei!
damit die entscheidende Frage nicht ungestellt bleibt, frage ich dich nun: hast du denn schlechte Erfahrungen mit Spritzen gemacht, oder worauf begründet sich deine Phobie? Ich als Allergiker, der ich mich vorher nie in meinem Leben hab impfen lassen, habe die Coronaimpfung bestens vertragen…
ich habe eine Heidenangst vor Spritzen und auch vorallem was sticht, ich bin nicht Allergiker. Habe mich einmal gegen Grippe impfen lassen und bin dabei fast draufgegangen! Das wirst Du erst später sehen, wie gut Du die Corona Impfung wirklich vertragen hast.
Hallo Gabi, angst ist ein sehr schlechter ratgeber. ich liebe spritzen auch nicht besonders. am ende ist das eine nüchterne abwägung. will ich meine freiheiten wieder, meine kinder, enkel, meine mutter besuchen, ohne risiken zu verbreiten und zu haben, dann beiß ich in den sauren apfel. ich hab's übrigens prima vertragen. will ich nicht geimpft werden, bin ich irgendwann einmal total spaßbefreit und ohne kontakte. so wird es kommen, das kann man erkennen. ich will das nicht bewerten, um nicht übergriffig zu wirken. am ende ist das eine entscheidung, die jeder für sich selbst treffen muss. für mich ist der nutzen für mich und für alle erkennbar, sich zu impfen. daher war ich dabei, als ich an der reihe war. lg W.
das kann ich verstehen, wenn du diese negative Erfahrung wirklich gemacht hast. Die generelle Angst vor allem, was sticht, kann ich kaum nachvollziehen. Was sollen die sagen, die sich täglich spritzen müssen, um überhaupt zu leben. Sicher gibt es Möglichkeiten, die Angst abzubauen…
Insgesamt sehe ich das Ganze mit der Coronaimpfung so wie Walther, möglichst nüchtern, und im übrigen, wir müssen alle irgendwann abtreten, so oder so. Totale Sicherheit gibts nicht!
Herzliche Grüße aus Samothraki euch beiden Karlheinz
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